American Loop – TexMex

American Loop – TexMex 1920 1280 Michael

Das erste Kapitel von American Loop führt Michael vom Startpunkt Houston Texas über den Big Bend National Park nach El Paso. Gemeinsam mit Kumpel Frank erlebt er eine nervenaufreibende Zeit im Copper Canyon bevor sie gemeinsam zu Baja California übersetzen. Aufgrund technischer Probleme müssen sich die Freunde in San Evaristo trennen und Michael fährt via der Mission de San Javier und die Laguna de San Ignacio allein nach Kalifornien weiter.

Texas

Willkommen in Texas

Zu wenig Zeit, das Bike ist nicht perfekt vorbereitet, das sind meine dominierenden Gedanken als ich im Flieger nach Houston sitze. Das überwältigende Gefühl nun für über ein Jahr jeden Tag meines Lebens selbst bestimmen zu können, hatte ich eigentlich nur beim Piepsen der Stempeluhr meines letzten Arbeitstags. Die vier Tage Verspätung des Motorrads machen es auch nicht einfacher damit umzugehen. Zum ersten Mal voll beladen ist klar die Husky geht unter dem vielen Gepäck wie befürchtet in die Knie. Egal Justin aus Houston hat mich auf eine Tour durch die Trails des Sam Houston National Forrests eingeladen und die fahren wir sowieso ohne Gepäck. Über Wurzeln, Stock und Stein, etwas Matsch und Sand wirbeln wir auch auf was für ein Spaß. Genau dafür bin ich nach Nordamerika  gekommen. Im Ferienhaus am See sind mittlerweile auch Justins Freunde eingetroffen und der herzliche Empfang  macht es leicht den Moment und den Abend einfach nur zu genießen.

Fahrwerk Teil 1

Das nächste Zwischenziel ist nicht frei gewählt sondern eher eine Notwendigkeit. Justin gibt mir die Kontaktdaten von Roger von OrOrCycles einem Fahrwerksspezialist in Austin. Roger war mir sofort sympatisch und das nicht nur weil er in Deutschland studiert hat. Wir tauschen gemeinsam die hintere Feder.  Die originale 69N/mm Feder eignet sich für einen 75-85kg Fahrer mittelt man das durchschnittliche Gewicht von Fahrern und Fahrerinnen macht dieser Wert auch Sinn. Für mich allerdings überhaupt nicht daher ist meine neue Feder mit 90N/mm deutlich steifer und wird eher meinem Gewicht und dem Gepäck gerecht.
Generell ist dies die einzig notwendige Änderung um das Fahrwerk der 701 Reisefertig zu machen und die Verbesserung war deutlich. Eine Anpassung der Federvorspannung allein genügt für leicht Fahrerer vermutlich auch, generell ist das Bike damit aber eher träge. Meine Ansprüche als Ingenieur sind generell etwas höher. Das Thema Fahrwerk im Detail zu verstehen und ein ideales Setup zu finden, war ab diesem Zeitpunkt wie eine feste Aufgabe für die Reise.

Big Bend National Park

Mit der neuen Feder kann es endlich auch mit Gepäck zur Sache gehen und im Big Bend finden sich die ersten Interessanten Trails. Eine hilfreiche Informationsquelle ist die Webseite von CannonShot  seine Tracks sind zwar nicht unbedingt notwendig die Nationalpark Karte liefert ebenfalls ausreichende Informationen. Am Besucherzentrum treffe ich dann auf James und seine KLR. Das unsere Pläne sich ähneln war schon ohne Gespräch klar und so erkunden wir kurzerhand zusammen die River Road. Unserer kleine Fotosession wird dann durch ein Rasseln abrupt unterbrochen. Eine Klapperschlange stellt sich zwischen mich und mein Motorrad. Dankbar für die klare Warnung trete ich den Rückzug an und warte bis sie sich im Gebüsch verkriecht. Von dort erlaubt sie mir großzügiger Weise noch ein Foto mit dem langen Tele. Kurz nachdem sich meine und James Wege trennen treffe ich Kerry wieder. Wir hatten uns schon auf dem Campingplatz am anderen Ende des Parks kennengelernt.  Kurzerhand lädt er mich ein sein Motel Zimmer zu teilen und ich kann nicht widerstehen. Das zweite Mal strande ich bei einem Priester und ähnlich wie Anton in Kasachstan fasziniert Kerry mich. Beide bestätigten mich in meiner Überzeugung, dass ungeachtet von religiösem Hintergrund unsere oberste Maxime ein fairer und guter Umgang mit unseren Mitmenschen sein sollte, damit einem auch selbst Gutes wiederfährt. Ob es dann, Zufall,  Gottes Wille, Charma oder einfach nur die Tatsache ist das Menschen einem freundlichen Mensch lieber Gutes tun ist dann auch völlig egal, in jedem Fall macht es uns Glücklicher. Dazu passt auch die Geschichte meins nächsten Tages. Angestachelt von Kerrys wilden Beschreibungen mache ich mich auf zur Old Ore Road.  Etwa in der Mitte strande ich mit einem platten Reifen ohne Flickzeug. Es dauert nicht lange und ich treffe Steve und er bringt mich mit seinem Pickup zurück. Als ich ihm zumindest seine Benzinkosten ersetzen möchte lehnt er ab mit dem Kommentar „Es ist keine gute Tat mehr,  wenn ich dein Geld annehme.

Mexikos Nordwesten

Barrancas del Cobre OnRoad

Das nächste Ziel ist die Kupferschlucht im Norden Mexikos. Das Gebiet ist bekannt für Drogenanbau und dementsprechend ist auch die Mafia dort sehr präsent. Umso besser das Frank mittlerweile auch an der Grenze in EL Paso eingetroffen ist. Wir kennen uns von der Primus Rally und der Taffy Dakar und planten schon länger Teile Nordamerikas gemeinsam zu bereisen. Frank wurde auch bereits von Federiko nach Chihuahua eingeladen. Gemeinsam mit Federikos Freunden von MC Hellfish Chihuahua verbringen wir einen tollen Abend. Die Warnungen zur Sicherheitslage beunruhigen uns allerdings etwas. Von daher tasten wir uns langsam entlang der wunderschönen asphaltierten Straße nach Creel vor. In Creel unterhalten wir uns mit Sicherheitskräften, aber nur bei Jan Milburn erhalten wir differenzierte Informationen und den Eindruck, dass er auch schon einmal selbst die Straße von Batopilas nach Choix bereist hat. Wichtigste Regel, mit einsetzen der Dunkelheit seid ihr am besten im Hotel so geht ihr krummen Dingen am besten aus dem Weg. Seinen Rat bestätigen uns auch die Einwohner von Batopilas, sie beruhigen uns aber auch, „wen ihr Probleme habt, fragt ruhig die Menschen die entlang der Straße wohnen“. Die asphaltierte Straße nach Batopilas ist aufgrund von Steinschlägen mit Vorsicht zu genießen. Für Straßenfahrer stellt Batopilas zwar eine Sackgasse dar aber definitiv eine sehr eine lohnenswerte. Das historische Dorf ist schlicht sehenswert und die Spuren des Silberabbaus sind hier immer noch sehr präsent. Eine schöne Alternative für Straßenfahrer zu unserer Route ist die Straße von Creel über San Rafael, Témoris Chinipas und Navojoa.

Barrancas del Cobre OffRoad

Guter Dinge trennen wir uns vom Asphalt und fahren tiefer in den Canyon Richtung Choix. Erste Schrecksekunde meine GoPro filmt einen Mann mit Sturmgewehr der offensichtlich kein Polizist ist und kurze Zeit später ist Franks bereits geflickter Reifen wieder platt. Mit Müh und Not schafft er es zu einem Gehöft und es ist offensichtlich, dass der Schlauch in zwei Teile zerbricht.  Schon vor unserer Ankunft in Creel stürzte Frank aufgrund des plötzlichen Druckabfalls, jetzt war klar, dass die Ursache allein die Qualität des Schlauchs war. Mir blieb keine Wahl als nach  Batopilas zurückzufahren und einen Schlauch zu besorgen. Genervt von der Situation war ich zu hart am Gas, dass ausbrechende Hinterrad ließ sich noch fangen, dass darauffolgende ausbrechende Vorderrad endet aber in einem Sturz inmitten eines steilen Hangs. Beim ersten Versuch das Bike aufzurichten rutsche ich ab und mein rechtes Knie ist plötzlich blockiert. Ich liege unter dem Bike, der Entlüftungsschlauch ist abgerissen, Benzin sprüht mir entgegen und als Zugabe kann ich mich nicht einmal bewegen. Erste Sofortmaßnahme Finger auf den Entlüfter und erstmal durchatmen. Mit etwas schütteln und vorsichtigen Bewegungen und einem deutlich knacken lässt sich mein Knie wieder bewegen. Das Gepäck muss runter und dann gelingt es mir auch das Bike wieder aufzurichten. Der Entlüftungsschlauch wird gekürzt und wieder montiert, das Gepäck geladen und weiter geht es. Nach einem ausgedehten Fußmarsch durch Batopilas gemeinsam mit Humberto finde ich auch einen Schlauch für Frank. Es wäre clever gewesen 2 oder 3 zu kaufen aber nein ich nahm nur einen. Es passiert was passieren muss, vor lauter Nervosität ruiniert Frank beim Montieren den Schlauch.  Wäre mir das nicht selbst auch schon passiert hätte ich mich geärgert, aber so war es mehr der Frust ihn nun über Nacht zurücklassen zu müssen, um wieder einen Schlauch zu besorgen. Wieder in einem Hang schert sich ein Mexikaner in seinem Pickup wenig um die Schwierigkeiten die ich in diesem Hang habe und drängt mich in den weichen Schotter am Rand ab. Der Sturz raubt mir so viel Kraft das der nächste nicht lange auf sich warten lässt.  Am Ende befinde ich mich auf dieser Straße nicht nur in der Dämmerung, sondern in absoluter Dunkelheit und bin unglaublich erleichtert am Ende wieder in einem Hotelbett zu liegen. Am nächsten Tag passiere ich mit unglaublicher Nervosität zum fünften mal die Stelle an der ich den seltsamen Typ mit dem Sturmgewehr gefilmt habe und schwöre mir wenn diese zwei neuen Schläuche uns jetzt nicht herausbringen kann Frank mit meinem Bike nach Batopilas fahren. Mit vereinten Kräften klappt es dieses Mal aber auf Anhieb. Nach so viel Aufregung gestaltet sich die Fahrt aus dem Canyon trotz atemberaubender Landschaft aber schon fast unspektakulär. An der Brückenbaustelle am Rio Urique freuen sich die Arbeiter noch kurz über die Abwechslung. Letztendlich entgeht ihnen aber die Show, weil wir den Fluss etwas weiter südlich an einer deutlich einfacheren Furt überqueren. Wir besichtigen die Mission in Tubares und sind fasziniert was diese beiden gebrochenen Glocken doch für ein tolle Fotomotiv abgeben. In Choix kommen wir erst wieder in der Dämmerung an und sind froh direkt am Ortseingang ein Hotel zu finden.

Fazit

Empfehlen möchte ich diese Route nur erfahrenen Enduro Fahrern, insbesondere auf Großenduros sollte man in jedem Fall im Team reisen um das Bike zügig bergen zu können. Der Untergrund ist aufgrund der permanenten Trockenheit sehr lose und häufig findet man auch Sandlöcher. Teilweise trifft dies auch auf die speziell im ersten Abschnitt zu findenden Bergstraßen zu. Die sehr steilen auf und abwärts Passagen werden in losem Untergrund nicht leichter. Falscher Stolz ist hier ebenfalls fehl am Platz, obwohl wir uns fast nie unsicher fühlten sind in dieser Gegend schon Touristen spurlos verschwunden. Idealerweise schafft man die Strecke in einem Fahrtag, schafft man dies nicht sollte man nicht Wildcampen, sondern rechtzeitig die wenigen Bewohner aufsuchen und nach einer sicheren Unterkunft bzw. einem Campingplatz fragen.

Baja California

Die Fährüberfahrt von Topolobampo ist schwierig zu planen. Die Webseite der Baja Ferries bietet keinen Fahrplan und eine Kabine ist nur mit frühzeitiger Reservierung zu erhalten. Wir hatten keine Reservierung nach Auskunft Anderer ist dies aber telefonisch (Spanisch) oder per E-Mail (Google Translate) möglich.

La Paz

Meine Eindrücke von La Paz stammen im wesentlichen von einem einzigen Abendspaziergang entlang der Promenade. Hintergrund ist das ich von den 4 Tagen dort die meiste Zeit auf meinem Bett mit hochgelegtem Bein verbracht habe. Nach dem Sturz trat die Blockierung meines Knies noch öfter ein und das Knie war merklich geschwollen. Die Situation war ziemlich beunruhigend. Verletzungen sind immer ätzend, es macht aber einen großen Unterschied ob sie einen lang geplanten 4 Wochen Urlaub ruinieren oder eine Reise von 13 Monaten.  Insofern schränkt, dass schiere Ausmaß der Reise die persönliche Freiheit doch in vieler Hinsicht ein. Neben der Einschränkung der persönlichen Ausgaben um die Reise finanzieren zu können vermeidet man auch zunehmend Risiken. Risiken einzugehen bedeuten aber insbesondere für mich auch Spaß. Die Folge ist ein 4 Wochen Urlaub kann viel intensiver als eine lange Reise sein, weil man in dieser kurzen Zeit mehr Freiheit hat.

San Evaristo

Der erste Versuch wieder im Sattel ist ein kleiner Ausflug nach Todos Santos mit Anali, Chris und Rodrigo Motorradfahrer die wir in La Paz kennengelernt haben. Das erste Mal stehe ich an der Küste des Pazifiks, ein überwältigendes Gefühl. Mein Vertrauen in das Knie kehrt zurück und am nächsten Tag fahren wir nach San Evaristo entlang des Golfs von Kalifornien. Teilweise sind es Minenstraßen, Teilweise fahren wir direkt entlang der Küste, es folgen Kaktuswälder und plötzlich stellen wir fest wir sind auf einer Rally Route. Nun ist auch klar warum die Spuren so derart ausgewaschen sind und der Untergrund lose gewühlt ist. Der Versuch die Straße vor San Evaristo in die Berge zu nehmen scheitert. Die Steigung ist nicht gigantisch aber der Untergrund ist von den Rallyfahrzeugen komplett lose gewühlt und besteht nur aus Felsbrocken und Sand. Das Ende von Franks Kupplungs besiegelt auch unsere Bemühungen diese Steigung zu erklimmen final. Der PickUp den ich in San Evaristo organisiere ist zwar nicht günstig aber bringt Frank nach LaPaz zurück wo Chris Frank hilft das Motorrad wieder flott zu machen.

Solo nach San Javiers

Nachdem Frank ohnehin mehr Zeit auf der Baja einplant als ich setze ich meinen Weg in Richtung Westküste fort. Die Mission von San Javier ist mein erstes Ziel. Nach rund 100km Wüste, Sand, Kakteen und purer Trockenheit ist diese Oase schlicht atemberaubend. Nimmt man die wunderschöne asphaltierte Straße, die nach Norden aus San Javier nach Loreto führt, kann die Begeisterung schlicht nicht dieselbe sein. Für mich bleibt diese asphaltiere Straße trotzdem ein Highlight den dort treffe ich auf Dale, einen Motorradfahrer aus Kanada. Gemeinsam fahren wir nach Loreto und genießen die Ruhe die man in Loreto wohl nur hat wenn nicht gerade ein Kreuzfahrtschiff anlegt. Dales Versys ist definitv keine gute Wahl für meinen Plan über San Isidor und San Juanico in die Lagune von San Ignacio zu fahren. Die Etappe ist ebenfalls nichts für kleine Tanks. Es sind zwar nur gut 300km aber ein großer Teil davon führt durch sandige Etappen in denen man besser nicht mit durchschnittlichem Verbrauch rechnen sollte. Man kann aber natürlich auch darauf hoffen, dass  in San Isidor, San Juanico oder auch in der kleinen Fischersiedlung, welche auf keiner meiner Karten einen Namen findet, einem jemand Kraftstoff aus Kanistern verkauft.

Laguna de San Ignacio

Während San Juanico vermutlich für einen Surfer das Highlight wäre, war es für mich die Lagune selbst. Bis zu diesem Surferdorf war die Landschaft noch sehr vertraut kurz danach änderte sie sich aber gravieren. Teilweise hatte ich Etappen die an topfebene Salzwüsten erinnern und aberwitzige Geschwindigkeiten erlauben, teilweise waren es Vordünen deren feiner Sand mein Können herausforderte. Maschlandschaft fand ich dann im letzten Abschnitt nach San Ignacio bevor ich mich wieder in der klassische Sand und Steinwüste der Baja befand. Der Rest der Baja fiel leider dem Zeitplan zum Opfer und so fuhr ich ausschließlich entlang der Mex1 zurück in die USA. Mexico war aber offensichtlich der Meinung ich solle bleiben. Beim Warten an der Grenze in Tecate habe ich mir einen Nagel eingefahren. Folglich musste ich mein Motorrad über die Grenze schieben und der erste Akt in den USA war das flicken des Schlauchs.

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